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geschichte [2013/03/07 13:00]
verena [Vom Vorderen Orient zu den Griechen und Römern]
geschichte [2013/03/08 07:11] (aktuell)
verena
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-===== Geschichte des Streuobstbaus in Europa =====+===== Geschichte in Europa =====
    
  
 Holzäpfel und Holzbirnen waren bereits nach der letzten Eiszeit, also um 6.000 v. Chr., in den europäischen Wäldern vorhanden und wurden wohl auch genutzt. Erste archäologische Obstfunde in Österreich stammen aus der Jungsteinzeit und später aus bronzezeitlichen Pfahlbauten. Für diese Zeit ist auch eine erste primitive Kultivierung von Wildobst anzunehmen. Diese ursprünglichen europäischen Arten haben aber nur einen geringen Anteil am Erbgut der heutigen Kultursorten.  Holzäpfel und Holzbirnen waren bereits nach der letzten Eiszeit, also um 6.000 v. Chr., in den europäischen Wäldern vorhanden und wurden wohl auch genutzt. Erste archäologische Obstfunde in Österreich stammen aus der Jungsteinzeit und später aus bronzezeitlichen Pfahlbauten. Für diese Zeit ist auch eine erste primitive Kultivierung von Wildobst anzunehmen. Diese ursprünglichen europäischen Arten haben aber nur einen geringen Anteil am Erbgut der heutigen Kultursorten. 
  
-===== Vom Vorderen Orient zu den Griechen und Römern =====+===== Vorderer Orient zu den Griechen und Römern =====
  
 Die Vorfahren unserer Kultursorten stammen zum überwiegenden Teil aus Kleinasien und Asien - vom Kaukasus bis nach China und Ostsibirien. Die Vorfahren unserer Kultursorten stammen zum überwiegenden Teil aus Kleinasien und Asien - vom Kaukasus bis nach China und Ostsibirien.
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 Foto: Landesmuseum Joanneum, E. Kees Foto: Landesmuseum Joanneum, E. Kees
  
-===== Vom Mittelalter zur Neuzeit =====+===== Mittelalter bis Neuzeit =====
  
  
 Im Mittelalter waren vor allem die Klöster mit ihren Gärten maßgeblich für die Weiterentwicklung des Obstbaus. Mit Missionierung und Klostergründungen wurde auch das Obstbauwissen über Europa verbreitet. Die weltlichen Landesherren förderten den Obstbau durch Anordnungen darüber welche Obstbäume auf Lehensgütern zu pflanzen sind, etwa Karl der Große um 800, oder Friedrich Barbarossa um 1180, ebenso durch die Erlassung von Gesetzen die Obstdiebstahl und Obstbaumfrevel unter Strafe stellten. Ab dem 14. Jhdt. kam es zu vermehrten Auspflanzungen auf hofnahen Flächen, wobei diese Obstgärten vor allem der Selbstversorgung dienten. Im 15. und 16. Jhdt. wurden vor den Mauern der Städte umfangreiche Obstgärten angepflanzt. Diese Gärten befanden sich teilweise im Besitz der Städte. Auch die Renaissance-Fürsten förderten den Fortschritt des Obstbaus durch Verordnungen. Im Mittelalter waren vor allem die Klöster mit ihren Gärten maßgeblich für die Weiterentwicklung des Obstbaus. Mit Missionierung und Klostergründungen wurde auch das Obstbauwissen über Europa verbreitet. Die weltlichen Landesherren förderten den Obstbau durch Anordnungen darüber welche Obstbäume auf Lehensgütern zu pflanzen sind, etwa Karl der Große um 800, oder Friedrich Barbarossa um 1180, ebenso durch die Erlassung von Gesetzen die Obstdiebstahl und Obstbaumfrevel unter Strafe stellten. Ab dem 14. Jhdt. kam es zu vermehrten Auspflanzungen auf hofnahen Flächen, wobei diese Obstgärten vor allem der Selbstversorgung dienten. Im 15. und 16. Jhdt. wurden vor den Mauern der Städte umfangreiche Obstgärten angepflanzt. Diese Gärten befanden sich teilweise im Besitz der Städte. Auch die Renaissance-Fürsten förderten den Fortschritt des Obstbaus durch Verordnungen.
  
-===== Ausbreitung in die Landschaft im Barock =====+===== Barock =====
    
  
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 {{ :schloss_stainz.jpg?direct&300 |}} {{ :schloss_stainz.jpg?direct&300 |}}
 Schloss Stainz: einst Stift, dann Domäne von Erzherzog Johann Schloss Stainz: einst Stift, dann Domäne von Erzherzog Johann
-===== Förderung des Straßenobstbaus im 18. und 19. Jahrhundert =====+ 
 +===== 18. und 19. Jahrhundert =====
  
  
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 Jedes Stück Land sollte produktiv genutzt werden. Man war bestrebt die wachsende Bevölkerung möglichst günstig mit Obst zu versorgen, sowie eine zusätzliche Erwerbsmöglichkeit für die ländliche Bevölkerung zu schaffen. Erst in zweiter Linie kamen Aspekte wie die Belebung der Gegend, die Verbreitung des Obstbaus, die Vorbeugung des Obstdiebstahls und die Deckung der Ausgaben für die Straßenerhaltung zum Tragen. Weitere Vorteile der Straßenbepflanzung waren Schutz des Wanderers gegen brennende Sonnenhitze, Zierde der Straße und Zeigen der Richtung des Weges bei Schneeverwehung. Jedes Stück Land sollte produktiv genutzt werden. Man war bestrebt die wachsende Bevölkerung möglichst günstig mit Obst zu versorgen, sowie eine zusätzliche Erwerbsmöglichkeit für die ländliche Bevölkerung zu schaffen. Erst in zweiter Linie kamen Aspekte wie die Belebung der Gegend, die Verbreitung des Obstbaus, die Vorbeugung des Obstdiebstahls und die Deckung der Ausgaben für die Straßenerhaltung zum Tragen. Weitere Vorteile der Straßenbepflanzung waren Schutz des Wanderers gegen brennende Sonnenhitze, Zierde der Straße und Zeigen der Richtung des Weges bei Schneeverwehung.
  
-===== Reichtum durch Obst im 19. Jahrhundert =====+===== 19. Jahrhundert =====
    
  
 Im 19. und frühen 20. Jhdt. bedeutete viele Obstbäume zu besitzen, reich zu sein. Most war ein gefragtes Getränk, das in großen Mengen konsumiert wurde. Aus den Obstbaugebieten wurde Most in die Städte transportiert. Der Reichtum vieler Mostviertler Bauernfamilien, der in den mächtigen Vierkanthöfen seinen Ausdruck fand, ging zum guten Teil auf den Mostverkauf zurück.  Im 19. und frühen 20. Jhdt. bedeutete viele Obstbäume zu besitzen, reich zu sein. Most war ein gefragtes Getränk, das in großen Mengen konsumiert wurde. Aus den Obstbaugebieten wurde Most in die Städte transportiert. Der Reichtum vieler Mostviertler Bauernfamilien, der in den mächtigen Vierkanthöfen seinen Ausdruck fand, ging zum guten Teil auf den Mostverkauf zurück. 
  
-===== Entwicklung des Streuobstbaus im Burgenland =====+===== Entwicklung im Burgenland =====
  
  
-===== Die ungarische Zeit =====+===== Ungarische Zeit =====
    
  
 Bereits als das Burgenland noch zu Ungarn gehörte, führte die ungarische Regierung Maßnahmen zur Förderung des Obstbaus durch. Ziel war die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Verbesserung der Lebensverhältnisse der verarmten Bevölkerung. Im 19. Jhdt. begannen sich Pfarrer, Ärzte, Apotheker, Lehrer und Großgrundbesitzer für den Obstbau zu interessieren. Diese angesehenen Gemeindebürger pflanzten Obstwiesen und Streuobstgärten. Durch diese Pflanzungen wurde das Interesse der Bevölkerung geweckt und der Obstbau verbreitet.  Bereits als das Burgenland noch zu Ungarn gehörte, führte die ungarische Regierung Maßnahmen zur Förderung des Obstbaus durch. Ziel war die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Verbesserung der Lebensverhältnisse der verarmten Bevölkerung. Im 19. Jhdt. begannen sich Pfarrer, Ärzte, Apotheker, Lehrer und Großgrundbesitzer für den Obstbau zu interessieren. Diese angesehenen Gemeindebürger pflanzten Obstwiesen und Streuobstgärten. Durch diese Pflanzungen wurde das Interesse der Bevölkerung geweckt und der Obstbau verbreitet. 
  
-===== Straßenobst, Schulgärten und Maulbeerbäume =====+===== Straßenobst und Maulbeerbäume =====
    
  
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 Schon Maria Theresia hatte versucht durch die Anordnung der Pflanzung von Maulbeerbäumen, eine heimische Seidenraupenzucht zu ermöglichen. Im 19. Jhdt. wurde diese Idee wieder aufgegriffen und die Pflanzung von Maulbeeren in der ungarischen Reichshälfte gefördert. Zur Seidenproduktion kam es zwar nie, aber die Maulbeerbäume wurden ein Element unserer Kulturlandschaft.  Schon Maria Theresia hatte versucht durch die Anordnung der Pflanzung von Maulbeerbäumen, eine heimische Seidenraupenzucht zu ermöglichen. Im 19. Jhdt. wurde diese Idee wieder aufgegriffen und die Pflanzung von Maulbeeren in der ungarischen Reichshälfte gefördert. Zur Seidenproduktion kam es zwar nie, aber die Maulbeerbäume wurden ein Element unserer Kulturlandschaft. 
  
-===== Vom Wein zum Obstbau =====+===== Wein zum Obstbau =====
    
  
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 Es wurde in dieser Zeit aber bereits ein etwas eingeschränktes, marktorientiertes Sortiment propagiert. Im Sortenspektrum des Streuobstbaus finden sich bis heute die damaligen Bestrebungen wieder, z.B. mit den im Südburgenländ häufigsten Apfelsorten `Kronprinz Rudolf´, `Rheinischer Bohnapfel´, `Steirischer Maschanzker´, `Ilzer Rosenapfel´, `Jonathan´ und `Kanada Renette´, die damals bevorzugt wurden. Es wurde in dieser Zeit aber bereits ein etwas eingeschränktes, marktorientiertes Sortiment propagiert. Im Sortenspektrum des Streuobstbaus finden sich bis heute die damaligen Bestrebungen wieder, z.B. mit den im Südburgenländ häufigsten Apfelsorten `Kronprinz Rudolf´, `Rheinischer Bohnapfel´, `Steirischer Maschanzker´, `Ilzer Rosenapfel´, `Jonathan´ und `Kanada Renette´, die damals bevorzugt wurden.
  
-===== Niedergang des Streuobstbaus ab 1960 =====+===== 1960: Niedergang =====
    
  
 Ab 1960 verlor der Streuobstbau zunehmend an Bedeutung. Ursache waren die Mechanisierung der Landwirtschaft, das Abwandern von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft sowie ein geändertes Konsumverhalten. Der intensive Plantagenobstbau etablierte sich und übernahm die Produktion von Tafelobst. Das Obst aus dem Streuobstbau wurde auf die Verwendung als Pressobst zurückgedrängt. Der Handelspreis hierfür blieb auf geringem Niveau während das allgemeine Lohn- und Preisniveau stieg. Dadurch wurde der Streuobstbau wirtschaftlich immer unattraktiver. Die Folgen waren die Vernachlässigung der Pflege, Nutzungsaufgabe und Rodungen. Ab 1960 verlor der Streuobstbau zunehmend an Bedeutung. Ursache waren die Mechanisierung der Landwirtschaft, das Abwandern von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft sowie ein geändertes Konsumverhalten. Der intensive Plantagenobstbau etablierte sich und übernahm die Produktion von Tafelobst. Das Obst aus dem Streuobstbau wurde auf die Verwendung als Pressobst zurückgedrängt. Der Handelspreis hierfür blieb auf geringem Niveau während das allgemeine Lohn- und Preisniveau stieg. Dadurch wurde der Streuobstbau wirtschaftlich immer unattraktiver. Die Folgen waren die Vernachlässigung der Pflege, Nutzungsaufgabe und Rodungen.
  
-===== Der heutige Bestand- ein wertvoller Rest =====+===== Heute: ein wertvoller Rest =====
    
    
geschichte.txt · Zuletzt geändert: 2013/03/08 07:11 von verena

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http://ec.europa.eu/agriculture/rurdev/index_de.htm