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geschichte

Geschichte in Europa

Holzäpfel und Holzbirnen waren bereits nach der letzten Eiszeit, also um 6.000 v. Chr., in den europäischen Wäldern vorhanden und wurden wohl auch genutzt. Erste archäologische Obstfunde in Österreich stammen aus der Jungsteinzeit und später aus bronzezeitlichen Pfahlbauten. Für diese Zeit ist auch eine erste primitive Kultivierung von Wildobst anzunehmen. Diese ursprünglichen europäischen Arten haben aber nur einen geringen Anteil am Erbgut der heutigen Kultursorten.

Vorderer Orient zu den Griechen und Römern

Die Vorfahren unserer Kultursorten stammen zum überwiegenden Teil aus Kleinasien und Asien - vom Kaukasus bis nach China und Ostsibirien. Bereits um 1500 v. Chr. gab es in Persien und Syrien eine hoch stehende Obstkultur, von dort wurde sie ins antike Griechenland eingeführt von wo sie wiederum zu den Römern gelangte. Die Römer verfügten bereits über beträchtliche Obstbaukenntnisse. Die Kunst der Veredelung war bekannt und es gab eine größere Anzahl an Sorten. Mit den Römern kamen etliche Obstarten und die ersten Kultursorten nach Österreich.

Deckengemälde im Marmorsaal von Schloss Trautenfels: Die Hesperiden verpacken die goldenen Äpfel vorsichtig in Reisetruhen.

Foto: Landesmuseum Joanneum, E. Kees

Mittelalter bis Neuzeit

Im Mittelalter waren vor allem die Klöster mit ihren Gärten maßgeblich für die Weiterentwicklung des Obstbaus. Mit Missionierung und Klostergründungen wurde auch das Obstbauwissen über Europa verbreitet. Die weltlichen Landesherren förderten den Obstbau durch Anordnungen darüber welche Obstbäume auf Lehensgütern zu pflanzen sind, etwa Karl der Große um 800, oder Friedrich Barbarossa um 1180, ebenso durch die Erlassung von Gesetzen die Obstdiebstahl und Obstbaumfrevel unter Strafe stellten. Ab dem 14. Jhdt. kam es zu vermehrten Auspflanzungen auf hofnahen Flächen, wobei diese Obstgärten vor allem der Selbstversorgung dienten. Im 15. und 16. Jhdt. wurden vor den Mauern der Städte umfangreiche Obstgärten angepflanzt. Diese Gärten befanden sich teilweise im Besitz der Städte. Auch die Renaissance-Fürsten förderten den Fortschritt des Obstbaus durch Verordnungen.

Barock

Im 17. und 18. Jhdt. erfuhr der bäuerliche Obstbau eine markante Ausweitung in dem auch größere Ackerflächen mit Obstbäumen bepflanzt wurden. Nun begannen sich die Hochstammpflanzungen - zunächst bevorzugt entlang von Straßen und auf Allmendeflächen, in die freie Landschaft auszudehnen. Schon damals wurden die steigenden Absatzmöglichkeiten in den wachsenden Städten erkannt. Maria Theresia versuchte durch obrigkeitliche Anordnungen den Obstbau auszuweiten. Besondere Förderer des Obstbaus waren auch Kaiser Franz I und sein Bruder Erzherzog Johann. Im kaiserlichen Obstgarten wurden 500 verschieden Obstsorten kultiviert. Die k.k. landwirtschaftliche Gesellschaft errichtete in Graz eine zentrale Obstbauschule, diese umfasste 1829 ca. 2.000 Obstsorten.

Erzherzog Johann im Rock Leopold Kupelwieser, Erzherzog Johann im Rock mit grünen Aufschlag, 1828 Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum

Nähere Informationen über Erzherzog Johann unter: http://www.erzherzogjohann.steiermark.at/

Schloss Stainz: einst Stift, dann Domäne von Erzherzog Johann

18. und 19. Jahrhundert

Ab dem 18. Jhdt. bis herauf an den Beginn des 20. Jhdt. wurden Verordnungen zur Förderung des Straßenobstbaus in Österreich erlassen. Jedes Stück Land sollte produktiv genutzt werden. Man war bestrebt die wachsende Bevölkerung möglichst günstig mit Obst zu versorgen, sowie eine zusätzliche Erwerbsmöglichkeit für die ländliche Bevölkerung zu schaffen. Erst in zweiter Linie kamen Aspekte wie die Belebung der Gegend, die Verbreitung des Obstbaus, die Vorbeugung des Obstdiebstahls und die Deckung der Ausgaben für die Straßenerhaltung zum Tragen. Weitere Vorteile der Straßenbepflanzung waren Schutz des Wanderers gegen brennende Sonnenhitze, Zierde der Straße und Zeigen der Richtung des Weges bei Schneeverwehung.

19. Jahrhundert

Im 19. und frühen 20. Jhdt. bedeutete viele Obstbäume zu besitzen, reich zu sein. Most war ein gefragtes Getränk, das in großen Mengen konsumiert wurde. Aus den Obstbaugebieten wurde Most in die Städte transportiert. Der Reichtum vieler Mostviertler Bauernfamilien, der in den mächtigen Vierkanthöfen seinen Ausdruck fand, ging zum guten Teil auf den Mostverkauf zurück.

Entwicklung im Burgenland

Ungarische Zeit

Bereits als das Burgenland noch zu Ungarn gehörte, führte die ungarische Regierung Maßnahmen zur Förderung des Obstbaus durch. Ziel war die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Verbesserung der Lebensverhältnisse der verarmten Bevölkerung. Im 19. Jhdt. begannen sich Pfarrer, Ärzte, Apotheker, Lehrer und Großgrundbesitzer für den Obstbau zu interessieren. Diese angesehenen Gemeindebürger pflanzten Obstwiesen und Streuobstgärten. Durch diese Pflanzungen wurde das Interesse der Bevölkerung geweckt und der Obstbau verbreitet.

Straßenobst und Maulbeerbäume

Ende des 19. Jhdt. wurde in der ungarischen Reichshälfte eine Straßenbepflanzungsverordnung erlassen. Grundeigentümer waren verpflichtet, Apfelbäume an den Rand des Straßengrabens zu pflanzen. Gemeinden mit Volksschulen mussten 400 Quadratklafter (1.440 m²) zur Errichtung einer Baumschule bereitstellen. Die Schüler sollten auf diese Weise die Obstbaumzucht erlernen. Schon Maria Theresia hatte versucht durch die Anordnung der Pflanzung von Maulbeerbäumen, eine heimische Seidenraupenzucht zu ermöglichen. Im 19. Jhdt. wurde diese Idee wieder aufgegriffen und die Pflanzung von Maulbeeren in der ungarischen Reichshälfte gefördert. Zur Seidenproduktion kam es zwar nie, aber die Maulbeerbäume wurden ein Element unserer Kulturlandschaft.

Wein zum Obstbau

In den Weinbaugebieten erfolgte eine flächige Ausbreitung des Obstbaus vor allem gegen Ende des 19. Jhdt., als in Folge der Reblauskatastrophe viele Weingärten gerodet werden mussten, an deren Stelle traten Streuobstgärten. Ende des 19. Jhdt. hatte die südburgenländische Obstproduktion bereits überregionale Bedeutung. Die Tafeläpfel wurden von ”Roßbauern” in die Dörfer bei Steinamanger, Sárvár und Eisenburg geführt und dort gegen Getreide eingetauscht.

1920 bis 1945

Nach 1920 war der Verkauf des Obstes nach Ungarn durch Zölle und durch die ungünstige Verkehrslage erschwert. Die Ernte konnte nicht mehr entsprechend abgesetzt werden. Erst nach dem Ausbau des Verkehrsnetzes konnte das burgenländische Obst auf den Wiener und Grazer Märkten verkauft werden, teilweise wurde Obst sogar bis nach Deutschland ausgeführt. In den einzelnen Gemeinden waren Händler ansässig, die das Obst aufkauften. Das Obst wurde in Fässer verpackt und mit Pferdewagen zur Bahn gebracht, später erfolgte der Transport mit dem LKW. Um ausreichende Mengen und entsprechende Qualität anzubieten, wurden Obstverwertungsgenossenschaften gegründet, die auch das übrige Obst verarbeiten konnten. Nach 1938 wurde die Auspflanzung von Obstbäumen vom nationalsozialistischen Regime aus kriegswirtschaftlichen Erwägungen gefördert. Der Aufbau einer unabhängigen Eigenversorgung stand im Vordergrund. Unter anderem wurde neuerlich die Anpflanzung von Maulbeerbäumen propagiert, diesmal dachte man allerdings an Fallschirmseide.

1945 bis 1960

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg behielt der Streuobstbau mit den großkronigen Obstbäumen noch seine Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung. In den 1950er Jahren fanden bedeutende Auspflanzungen statt. Von der Landwirtschaftskammer wurden günstig Obstbäume abgegeben, die Baumproduktion in bäuerlichen Baumschulen gefördert und Mustergärten angelegt - allesamt mit großkronigen starkwüchsigen Bäumen. In den Nachkriegsjahren wurden 130.000 Obstbäume von der burgenländischen Landwirtschaftkammer direkt an Bauern vermittelt und 300.000 „Wildlingsunterlagen“ an Baumschulen abgegeben. Ein bedeutender Teil der heute im Burgenland noch vorhandenen Streuobstbestände geht auf die Auspflanzung der 1940er und 50er Jahre zurück. Es wurde in dieser Zeit aber bereits ein etwas eingeschränktes, marktorientiertes Sortiment propagiert. Im Sortenspektrum des Streuobstbaus finden sich bis heute die damaligen Bestrebungen wieder, z.B. mit den im Südburgenländ häufigsten Apfelsorten `Kronprinz Rudolf´, `Rheinischer Bohnapfel´, `Steirischer Maschanzker´, `Ilzer Rosenapfel´, `Jonathan´ und `Kanada Renette´, die damals bevorzugt wurden.

1960: Niedergang

Ab 1960 verlor der Streuobstbau zunehmend an Bedeutung. Ursache waren die Mechanisierung der Landwirtschaft, das Abwandern von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft sowie ein geändertes Konsumverhalten. Der intensive Plantagenobstbau etablierte sich und übernahm die Produktion von Tafelobst. Das Obst aus dem Streuobstbau wurde auf die Verwendung als Pressobst zurückgedrängt. Der Handelspreis hierfür blieb auf geringem Niveau während das allgemeine Lohn- und Preisniveau stieg. Dadurch wurde der Streuobstbau wirtschaftlich immer unattraktiver. Die Folgen waren die Vernachlässigung der Pflege, Nutzungsaufgabe und Rodungen.

Heute: ein wertvoller Rest

Vom einstigen Bestand von ca. 1,7 Millionen Streuobstbäumen im Burgenland, sind heute nur mehr ca. 250.000 Bäume übrig geblieben. Das entspricht einer aktuellen Streuobstfläche von ca. 2.900 ha, wobei die Bestände sehr unterschiedlich über das Land verteilt sind. Die flächigen Streuobstwiesen liegen zum größten Teil in den drei südlichen Bezirken, im Mittel- und Nordburgenland sind in bestimmten Gebieten Einzelbäume von hoher Bedeutung. Dieser Rückgang auf nur mehr 15 % des ursprünglichen Bestandes, bedeutet einen enormen und unwiederbringlichen Verlust an landschaftlicher Schönheit und an regionalem Kulturgut, sowie einen Verlust an ökologisch wertvollen Lebensräumen und an Sortenvielfalt. Daher gilt es, die verbliebenen Streuobstbestände im Burgenland zu schützen, durch Bewirtschaftung und Pflege zu erhalten und durch Nachpflanzungen langfristig abzusichern.

geschichte.txt · Zuletzt geändert: 2013/03/08 07:11 von verena

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http://ec.europa.eu/agriculture/rurdev/index_de.htm